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 Im Rahmen der internationalen Funkausstellung in Berlin startete Willy Brandt am 25. August 1967 per Druck auf den für solche Gelegenheiten obligatorischen roten Knopf offiziell das Farbfernsehen. Pech, daß der verantwortliche Techniker durch ein Koordinationsproblem den Bruchteil einer Sekunde zu früh von schwarz-weiß auf Farbe umschaltete und somit die prestigeheischende Aktion des Politikers als rein symbolischen Akt entlarvte.

 

"So kommen Bilder bunt ins Haus", Zeitschriftencover (1967)

 Ebenfalls Pech hatte Professor Walter Bruch, der Erfinder der neuen Technik. "Während Herr Litfaß seine Säule Litfaßsäule taufen konnte, wäre ein Bruch-Fernsehen unverkäuflich gewesen. So nannte er sein Telefunken-Farbpatent PAL (Phase Alternation Line)", bemerkt Wolfgang Maria Weber in seinem Rückblick "50 Jahre deutsches Fernsehen".

"hobby - Das Magazin der Technik", 1957, 1963, 1962

 

 Die 25. Folge von "Der goldene Schuß" war das erste offiziell in Farbe ausgestrahlte Programm im bundesdeutschen Fernsehen. Die interaktive Spielshow hatte bereits 1964 bei ihrer Premiere für Furore gesorgt, handelte es sich doch um einen gelungenen Versuch, den Zuschauer am heimischen TV-Gerät aktiv am Geschehen zu beteiligen. Durch einen live zugeschalteten Anruf hatte dieser die Möglichkeit, die auf eine Kamera montierte und von einem Showassistenten bediente "Telearmbrust" mit Hilfe einer auf dem Bildschirm zu verfolgenden Zielvorrichtung sowie durch telefonische Kommandos "ins Schwarze" der Zielscheibe zu dirigieren.

 
 

 

Auf diese Weise gab es Ausscheidungskämpfe gegen Saalkandidaten und der treffsicherste Schütze des Abends hatte im Finale die Möglichkeit, durch das Zerschießen eines dünnen Fadens den daran hängenden Geldsack zu Fall zu bringen und somit die darin enthaltene Summe zu gewinnen. - Erster Spielleiter war der Holländer Lou van Burg,

 

 

 

der jedoch wegen privater ehelicher Unregelmäßigkeiten, über die sich heutzutage kaum mehr jemand  echauffieren würde, gezwungen wurde, die Moderation an den Schweizer Sänger und "Hotel Victoria"-Schauspieler Vico Torriani abzugeben. Dessen Foto bestimmt auch den Deckel des Noris Spieles, welches einen überdurchschnittlich hohen Unterhaltungswert bietet:

 

"Der goldene Schuss"

"Bis zu 5 Personen können an dem Spiel teilnehmen. Eine der Personen übernimmt die Rolle des Showmasters, der das Spiel leitet und die Punkte der Kandidaten notiert." Für die Spieler gilt es, durch Würfeln das Zielfeld zu erreichen. Auf dem Weg dorthin haben sie die Möglichkeit, durch diverse Geschicklichkeitsspiele zusätzliche Punkte zu erzielen, was durch das Rollen einer Murmel auf der in der Schachtel befindlichen Lochbahn geschehen kann oder durch das Schießen mit einer Mini-Telearmbrust auf einen aus bedruckter Pappe zusammenzufaltenden Schießstand.

Der Schützenkönig darf schließlich den "goldenen Schuß" durchführen, indem er versucht, durch die kleinste Öffnung des Pappgestells den dahinter befindlichen, durch einen gelben Ball symbolisierten Geldsack zu treffen.

Falls der den Showmaster stellvertretende Mitspieler das entsprechende Alter besitzt, Vico Torriani noch leibhaftig auf dem Bildschirm erlebt zu haben, wird er es sich sicherlich nicht nehmen lassen, das Geschehen mit den entsprechenden Formeln wie "Bitte den Bolzen", "Kimme, Korn, ran" und natürlich das aus dem Munde von Assistentin Alexandra Marischka vernommene "der Kandidat hat 99 Punkte" zu kommentieren.

 

"Dalli-Dalli - Ein Fragespiel für Schnelldenker"

 

Auch "Dalli Dalli", das "Fragespiel für Schnelldenker", "ein spannendes Gesellschaftsspiel, das sich an die gleichnamige Fernsehsendung mit Hans Rosenthal anlehnt", bietet mit einer ganzen Reihe verschiedener Spielvariationen auf. Überhaupt wurde das bisher oftmals übliche bloße Abfragen von Wissen den gestiegenen Ansprüchen der Fernsehkonsumenten nicht mehr gerecht und Quizsendungen immer häufiger mit unterhaltenden Elementen kombiniert. Gesangs- und Tanzeinlagen lockerten das starre Rategerüst auf und "Dalli Dalli" sorgte zusätzlich durch den Umstand für Abwechslung, daß die Kandidatenteams von medienerprobten Prominenten gebildet wurden. Diese hatten dann 15 Sekunden Zeit, Begriffe zu einem von Hans Rosenthal vorgegebenen Thema zu assoziieren. Wenn Ihnen das besonders gut gelang, sprang der Quizmaster in den späteren Sendungen unter den euphorischen  Beifallskundgebungen des Studiopublikums erstaunlich hoch in die Luft und rief: "Das war Spitze!"

Auch das Noris-Spiel enthält Kärtchen mit entsprechend dem Vorbild unverfänglichen und familientauglich-harmlos formulierten Fragen wie "Nenne alle Dinge, die in der Wohnung Strom verbrauchen" oder "Woran muß man denken, wenn man in die Ferien fahren will?". Hier wie in der Sendung gilt das Startkommando "Dalli Dalli", worauf die Spieler den ebenfalls exakt 15 Sekunden dauernden Durchlauf der beiliegenden Sanduhr Zeit haben, möglichst viele passende Dinge beim Namen zu nennen. Darüber hinaus beinhaltet das Spiel unter anderem Puzzles mit Fotos von "Schnellzeichner Oskar", Assistentin Monika Sundermann und den Jury-Mitgliedern Ekkehard Fritsch, Mady Riehl und Brigitte "in Schilling sind das" Xander.
"Das große Spiel" hingegen, "Ein heiteres Spiel für gescheite Leute" zum ebenfalls wie "Dalli Dalli" jeweils am Donnerstagabend im ZDF ausgestrahlten "Der große Preis" entspricht bezüglich seines Spielwertes den Eigenschaften seines Leiters Wim Thoelke: souverän-solide, aber auch irgendwie langweilig...
 
                  

"Wim Thoelke präsentiert Das grosse Spiel - Ein heiteres Spiel für gescheite Leute"

  "Das grosse Wum-Puzzle" 
 

Wum-Quietschefigur der Firma Goebel, Höhe ca. 15 cm

 

Daran mag selbst der auf den nach Memory-Art zu findenden Bildpaaren diverse Male als Joker abgebildete und von Loriot gezeichnete Fernsehhund WUM nichts ändern.

Leider hat "Am laufenden Band" von Rudi Carrell  mit der in der Regel sehr amüsanten und bisweilen sogar furiosen Samstagabend-Show der 70er Jahre  nur den Titel und das namensgebende Requisit gemeinsam.
 
                      
   

"Am laufenden Band von Rudi Carell"

 
Mußte sich der Sieger der Unterhaltungssendung seinerzeit möglichst viele der auf einem Fließband vorüberziehenden Gegenstände und Symbole einprägen, die er dann mit nach Hause nehmen durfte, dient das in das Gesellschaftspiel integrierte handbetriebene  "laufende Band" im Miniaturformat dazu, durch kluges Taktieren den eigenen Figuren Vor- und den gegnerischen Nachteile zu verschaffen.

Puppenstubenszene: Familie der 60er Jahre gemeinsam vor dem S/W-Fernseher

 

 

 

 

 


 

Puppenstubenszene: Familie der 70er Jahre versammelt vor dem Fernseher

 

Recht einfallslos ist die Ausstattung des Spieles "Wetten Dass": es beinhaltet zweierlei Arten von Kartensätzen. Zum Einen gibt es Aktionkarten mit "spektakulären" Wettangeboten wie "Wetten, dass es keiner in dieser Runde schafft, eine Tasse Wasser ohne Hilfsmittel in eine Flasche umzufüllen, ohne einen Tropfen zu verschütten", zum Anderen "spannende" Wissensfragen in der Art von "Wetten, dass keiner weiß wie die einzige Oper von Beethoven heißt?" (Fidelio).
Immerhin ist das Spiel dazu geeignet, sich bewußt zu machen, wie schnell die Zeit vergeht...Sind doch schon nahezu 25 Jahre vergangen seit der ersten Ausgabe im Jahre 1981, als die Hälfte der Sendezeit für die Endlos-Interviews von Moderator und Show-Konzept-Erfinder Frank Elstner benötigt wurde und "Wetten Dass" noch keine "Dauerwerbesendung" war wie in heutigen Tagen.
 

"Frank Elstners Wetten Dass..?

 

 

"Spaßvogel Spiel"

 


 

 

 

 

 

Verzockt hatte sich 1966 "Show - Pionier" Otto Höpfner, der Wirt von "Der blaue Bock". Weil man seinen Gagenforderungen nicht nachkommen wollte, ersetzte man ihn einfach durch Heinz Schenk. Und während Schenk mit dieser Sendung immer noch auf dem Bildschirm zu sehen war, hielt sich Höpfner mit "Kaffeefahrten" über Wasser und signierte dort seine eigenen "Bembel".

 

 

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