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DDR-Versandhauskataloge

 Text / Fotos: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft -  Erstveröffentlichung im Sammlermagazin "TRÖDLER", Heft 12/2009

„Sie bestellen – wir liefern“ lautete die Devise des Mitte der 1950er Jahre in der DDR eingeführten Versandhandels. Wenn es in der Folge auch nicht immer gelang, alle Wünsche der Kunden zu befriedigen oder gar das anvisierte „Weltniveau“ im Handel zu erreichen, so dokumentieren die über zwei Jahrzehnte hinweg erschienenen Versandhauskataloge dennoch die Alltagskultur der DDR auf eine ebenso informative wie sehenswerte Art und Weise und erweisen sich dadurch als reiche Fundgrube für jeden „Ostalgie“- Sammler.

 

                       


 


 Die Zeit des Sozialismus wird eine „immer mächtiger anschwellende Woge von Lebens- und Genussmitteln aus aller Herren Länder“ hervorbringen, „von Kleidern und Schuhen, von wundervollen neuartigen Stoffen und praktischen Geräten aus der zaubermächtigen Retorte, von Küchen- und Waschmaschinen, Fernsehempfängern, großen und kleinen Autos, Büchern und Spielsachen, von Kunstgewerbe und Schmuck, von Fotoapparaten und Sportgeräten.“ Um „diesen ganzen unerschöpflichen und bunten Reichtum“ zu verteilen, muss dafür gesorgt werden, „dass die einzelnen Tropfen dieser Hochflut an Waren aller Art zu jeder Zeit praktisch an jeder beliebigen Stelle zur Verfügung stehen; dass der Käufer ohne große Mühe und langes Warten genau das bekommt, was er wünscht oder benötigt.“ „Neben dem reichhaltigen Angebot der Einkaufszentren in den Städten und den überall vorhandenen Geschäften für den täglichen Bedarf an gewöhnlichen Waren wird es ein Netz von Versandhäusern geben, die eine qualifizierte, schnelle und bequeme Versorgung auch der Bevölkerung auf dem Lande aus dem vollen Sortiment aller Warenhäuser gewährleisten“. .

 

 Derart rosarot sieht zumindest eine in dem 1959 erschienenen DDR-Buch „Die Welt von morgen“ nachzulesende Vision die Zukunft des Arbeiter- und Bauernstaats voraus. Die sozialistische Realität jedoch hinkt zu diesem Zeitpunkt einer solch optimistischen Vorhersage um Lichtjahre hinterher und Versandhäuser sind „im allgemeinen noch sehr wenig bekannt, wenn sie im Ansatz auch bereits vorhanden sind.“ Dabei war bereits drei Jahre zuvor anlässlich des in der DDR als „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ begangenen 1.Mai 1956 die republikweite Einführung eines Versandhandelsystems verkündet worden. Gedacht war das Ganze als Übergangslösung, um zeitgleich ein geplantes Netz von so genannten „Großraumlandverkaufsstellen“ zu realisieren, welche die bis dahin ausgesprochen lückenhafte Versorgung der Landbevölkerung entscheidend verbessern sollten. Zudem versprach man sich vom Versandhandel kurzfristig eine übergreifende Koordination der Warenverteilung, um somit vorherrschende regionale Gefälle in den Griff zu bekommen, die in einigen Regionen Warenmangel zur Folge hatten, während gleichzeitig an anderen Orten ein Überangebot zur Verfügung stand

Ursprünglich zum Aufbau der dafür notwendigen Logistik auserkoren wurden die durch die Nationalsozialisten verbotenen und in der DDR 1949 reorganisierten Konsum – Genossenschaften, die sich nach einer Weisung des Politbüros der SED aus dem Jahre 1954 ohnehin vorrangig auf die Bedarfsdeckung der ländlichen Bezirke zu konzentrieren hatten. Doch schon wenig später korrigieren die politisch Verantwortlichen aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen diesen Plan, indem sie die Verantwortung für alles weitere der 1948 als Gegenpol zum privaten Einzelhandel ins Leben gerufenen staatlichen Handelsorganisation (HO) übertragen und in der Folge der Versandhandel deren Leipziger CENTRUM - Warenhaus angegliedert wird. Nichtsdestotrotz reichte die kurze Zeit der Genossenschafts-Federführung aus, einen ersten Versandkatalog zu erstellen, der in dieser Form wohl der einzige seiner Art geblieben und somit zu den ausgesprochen raren Zeitzeugnissen zu zählen ist. Unter dem Motto „Der Konsum kommt ins Haus“ offeriert das 32-seitige schwarz-weiße Druckwerk im Din-A5 Formateingebautem Nähschrank, Hausbar und Büchernische für vergleichsweise moderate 807,50 DM. Musikschrank „Lohengrin“ hingegen kostet inklusive Radio, Tonbandgerät und Plattenspieler astronomische 2120 DM und ist damit zweitteuerster Artikel im gesamten Katalog, übertroffen lediglich noch von einem Klavier (!),“Mahagoni, hochglanzpoliert“ für 2800 DM. Die folgenden Seiten drehen sich dann um Spielwaren wie den Straßenroller „Schulflitzer“ oder das Dreirad „Zwerg-Fix extra“, Kameras, Näh- und Schreibmaschinen (Reiseschreibmaschine „Rheinmetall“), Uhren, Fahrräder und Schallplatten („Kulturpolitische Musik“ 2,60 DM, Tanzmusik 4,10 DM). Unter dem hochtrabenden Oberbegriff „Kulturwaren“ werden sowohl der „Druckkugelschreiber Express“ als auch Skatkarten angeboten und das Angebot „elektrischer Hausgeräte“ reicht vom profanen Tauchsieder über die „Heißluftdusche Komet“ bis hin zum „Schlittenstaubsauger Jette“. Einige Seiten später sticht dann die elektrische Waschmaschine „Combi“ mit ihrem 300 Watt „starken“ Motor ins Auge. Abgerundet wird das Angebot schließlich durch Wohnraumtextilien sowie Berufsbekleidung („Dreschanzug für Bäuerinnen“, „Männer-Arbeitskombination, einteilig, für Traktoristen“). Die auf insgesamt drei Katalogseiten abgebildeten Stühle, Tische und Polstermöbel sind allerdings nicht per Versand zu ordern. „Wir zeigen sie Ihnen, um Sie anzuregen, recht bald einmal eine unserer Spezialverkaufsstellen für Möbel zu besuchen.“ Auf der Rückseite ist abschließend noch ein an die Solidarität der Landbevölkerung appellierender Aufruf zu entdecken: „Bauer! Verkaufe die Übersollprodukte Deinem Konsum. Er bietet Dir Qualitätserzeugnisse unserer Industrie.“ Für einen im Geleitwort angekündigten und in Vorbereitung befindlichen „weiteren, ausführlichen Katalog, der ein umfangreiches Angebot in Damen-, Herren- und Kinderkleidung enthält“, zeichnet dann jedoch schon nicht mehr die Konsum-Genossenschaft, sondern bereits das „Versandhaus Leipzig“ verantwortlich.

 

             
   

 

 

 eine erstaunlich breit gefächerte Palette von Gebrauchs-, aber durchaus auch von Luxusartikeln, die offensichtlich der Forderung des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht nachkommen, die DDR-Haushalte mit „hochwertigen Konsumgütern“ auszustatten. Direkt auf der ersten Seite findet der interessierte und in diesem Fall notwendigerweise auch zahlungskräftige Kaufwillige daher die Rundfunkgeräte „Traviata“, „Weimar“, „Pillnitz“ und zudem das Spitzenmodell „Undine“ mit 7 Röhren, 4 Wellenbereichen und 4 Lautsprechern für 3 D-Klang im Edelholzgehäuse. Bezahlt werden müssen für letztgenannten Apparat stattliche 670 Deutsche Mark (DM), seinerzeit noch offiziell gültige DDR-Währung. Abgelöst wurde die DM dann am 1.August 1964 von der „Mark der Deutschen Notenbank“ (MDN), die ihrerseits mit Beginn des Jahres 1968 der „Mark“ (M) weichen musste. Im Konsum-Katalog jedenfalls setzt die nächste Seite noch mal eins drauf und präsentiert den Radiobarwagen „Siesta“ mit integriertem „Spitzensuper Olympia“,“, eingebautem Nähschrank, Hausbar und Büchernische für vergleichsweise moderate 807,50 DM. Musikschrank „Lohengrin“ hingegen kostet inklusive Radio, Tonbandgerät und Plattenspieler astronomische 2120 DM und ist damit zweitteuerster Artikel im gesamten Katalog, übertroffen lediglich noch von einem Klavier (!),“Mahagoni, hochglanzpoliert“ für 2800 DM. Die folgenden Seiten drehen sich dann um Spielwaren wie den Straßenroller „Schulflitzer“ oder das Dreirad „Zwerg-Fix extra“, Kameras, Näh- und Schreibmaschinen (Reiseschreibmaschine „Rheinmetall“), Uhren, Fahrräder und Schallplatten („Kulturpolitische Musik“ 2,60 DM, Tanzmusik 4,10 DM). Unter dem hochtrabenden Oberbegriff „Kulturwaren“ werden sowohl der „Druckkugelschreiber Express“ als auch Skatkarten angeboten und das Angebot „elektrischer Hausgeräte“ reicht vom profanen Tauchsieder über die „Heißluftdusche Komet“ bis hin zum „Schlittenstaubsauger Jette“. Einige Seiten später sticht dann die elektrische Waschmaschine „Combi“ mit ihrem 300 Watt „starken“ Motor ins Auge. Abgerundet wird das Angebot schließlich durch Wohnraumtextilien sowie Berufsbekleidung („Dreschanzug für Bäuerinnen“, „Männer-Arbeitskombination, einteilig, für Traktoristen“). Die auf insgesamt drei Katalogseiten abgebildeten Stühle, Tische und Polstermöbel sind allerdings nicht per Versand zu ordern. „Wir zeigen sie Ihnen, um Sie anzuregen, recht bald einmal eine unserer Spezialverkaufsstellen für Möbel zu besuchen.“ Auf der Rückseite ist abschließend noch ein an die Solidarität der Landbevölkerung appellierender Aufruf zu entdecken: „Bauer! Verkaufe die Übersollprodukte Deinem Konsum. Er bietet Dir Qualitätserzeugnisse unserer Industrie.“ Für einen im Geleitwort angekündigten und in Vorbereitung befindlichen „weiteren, ausführlichen Katalog, der ein umfangreiches Angebot in Damen-, Herren- und Kinderkleidung enthält“, zeichnet dann jedoch schon nicht mehr die Konsum-Genossenschaft, sondern bereits das „Versandhaus Leipzig“ verantwortlich.


 

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"Erfolge unserer Friedenswirtschaft durch den Versandhandel auch in Ihr Heim"

 

Plakat, 40,5 x 57cm (1970)


 

"Unsere neuen Kataloge Herbst Winter 1965/66 liegen mit Bestellscheinen zur Einsichtnahme und Benutzung im Gemeindeamt und in der Poststelle für jedermann aus." Plakat, 30 x 42cm (1965)

 


                  

 

 

Originales Versandpaket ("Wirtschaftspaket") des "Konsument Versandhaus" Karl-Marx Stadt, "Moderner Handel im Dienste des Kunden", Maße: 35 x 28 x 5,5 cm

 


                                  

 Versandhaus Leipzig - "Jersey Katalog"

 

 CENTRUM Versandhaus - Sonderwerbung "Sommer '70"

 


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