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Das Frauenbild der Wirtschaftswunderzeit im Spiegel zeitgenössischer Zeitschriften und alter Werbeanzeigen


  

                 

            In den 50er Jahren eines der Haupthemen für eine Frau:  "So kriegt man einen Mann!" (Brigitte, 1959)

 

            Von Vorteil bei der Männersuche ist es sicherlich, wenn SIE eine "kluge Hausfrau" ist... (Die kluge Hausfrau, 1960)

 

                                     

 ...und sich auf die "ihr eigentlich naturgegebene Aufgabe" vorbereitet,  nämlich "dem geliebten Manne Gattin und den Kindern treusorgende Mutter" zu sein. (Frau im Spiegel)

 

Zu großes Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit sind dagegen eher hinderlich. (Die Frau, 1947)

 

Wenn aber die Frau der 50er Jahre nicht nur die Anlage zur "Hausfrau und Mutter" hat, sondern zudem in der Lage ist, sich zu entsprechenden Gelegenheiten auch noch in eine elegante Erscheinung zu verwandeln, ist für SIE "eine gute Partie" sicher nicht mehr fern! (Libelle, 1955)


 

...um direkt etwas klarzustellen:

Die mal mehr, mal weniger ironischen Kommentare ( →Ironie) zu den zeitgenössischen Abbildungen möchten sich keinesfalls über die Männer suchenden Frauen dieser Zeit lustig machen. - Im Gegenteil! - Keinen Ehemann zu haben, galt für allein stehende Frauen seinerzeit als Makel, der Nachteile in fast allen Bereichen des Lebens zur Folge hatte - ob sie nun nicht zu gesellschaftlichen Ereignissen eingeladen wurden oder Schwierigkeiten bei der Suche nach einer großen Wohnung hatten. Wer durch den kriegsbedingten Männermangel unverheiratet war - oder auch einfach nicht heiraten wollte - hatte eben "keinen abgekriegt" und war schon in verhältnismäßig jungen Jahren zur "alten Jungfer" abgestempelt.  Zudem sollte den Frauen, die insbesondere in den Nachkriegsjahren Stärke und Eigenständigkeit bewiesen hatten, klar gemacht werden,  dass sie nun wieder "hinter den Herd" gehörten. - Dass viele dieser Bilddokumente im Nachhinein durchaus (unfreiwillig) komisch daherkommen, zeigt, mit welch absurden Idealvorstellungen die damaligen Frauen von den meist überwiegend männlich besetzten Redaktionen der Printmedien und Werbeagenturen konfrontiert wurden. Solange, bis diese männlichen Vorgaben schließlich von nicht wenigen Frauen übernommen wurden, um nicht gegen den Strom zu schwimmen und in den Verdacht  zu geraten, "anders" zu sein. - Durch das Stilmittel "Ironie" soll eben diese Absurdität bloß gestellt werden!

Bildtexte: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft - Buchabbildung: Regina Bohne: "Das Geschick der 2 Millionen" - "Die alleinlebende Frau in unserer Gesellschaft", econ 1960, "...berichtet in diesem Buch über das Geschick der 2 Millionen allein lebenden Frauen, über ihre inneren Nöte und Schwierigkeiten, ihre menschlichen und sozialen Probleme und ihre berufliche Lage" (Klappentext)

 


 

                         

aus privaten Fotoalben: "Frauenüberschuss!" (1952)

 

"Wann heiraten wir?" (um 1955)

 


 

 

 

"Die Heiratschancen der Frau"

"Auf dieser Tabelle können Sie, meine Damen, mit einem Blick Ihre Heiratschancen ablesen. Statistiker haben errechnet, daß unter zehn Mädchen im Alter von 20 Jahren eine ledig bleibt. Unter den Dreißigjährigen sind es schon vier, die nicht mehr zum Standesamt gehen. Von den vierzigjährigen Frauen bleiben acht ohne Mann. 50jährige heiraten nur noch selten: Unter hundert wagen es nur fünf." (1962)

 

 

 

 

 

 

 

 

"So fängt man einen Mann"

"Ein Handbuch für die Jagd auf den Mann, aber von einer Frau, die dabei erfolgreich war. - Was fängt man an, wenn man mit einundzwanzig Jahren das Gefühl hat, eine alte Jungfer zu werden? (1960)

 


  

                           
Die "beste Partie" wäre womöglich der Chef,   darum sollte frau dessen Vorlieben kennen und....   seine "kleinen Fehler" auch schon mal lächelnd in Kauf nehmen...

 

Hauptsache, SEIN Wohl liegt ihr ganz besonders am Herzen. - "Sie betreut ihn...ihren Chef, der es immer eilig hat, den Kopf voller Pläne." ("Gabriele - Die perfekte Sekretärin", alle 1956)

 

                               

Oder möglicherweise ist es IHM wichtiger, dass SIE  "das gewisse Etwas" hat (1959)

 

einfach Sex-Appeal? (...ein Schlager von felina - der ideale Vorderverschluss quick-CLIP, Faltblatt, o.J.)

 

"Das gewisse Etwas" (1959)

 

                           

So oder so: Ratgeber, seinerzeit nicht selten in Millionenauflagen verkauft, verraten, wie es geht! Zum Beispiel "Das praktische Haushaltsbuch" (1954) von Gertrud Oheim oder...

 

"schön sein - schön bleiben" (1955) von Lilo Aureden...-

 

hauptsache, SIE ist am Ende in jeder Hinsicht "Tip-Top"! (1957)

 

                         

"...und hier machte sie doch einen Fehler!" - "...einen Tippfehler nämlich. Das kommt leider vor, trotz aller Gewissenhaftigkeit. Hier hilft Ravenna QUICK, der vollautomatsiche Radiergummi." - Werbe-Beilage in "Gabriele - Die perfekte Sekretärin" (1959)

  Sie hingegen "kann mit sich zufrieden sein...denn ihr Chef hat sie heute gelobt. Warum? Nun, weil sie trotz der vielen Arbeit und der Hast des Tages ihre Briefe sauber und fehlerfrei geschrieben hat. Ein "Zauberstab für kleine Fehler", der Pelikan Radierstift BRS, hat ihr dabei geholfen." - Werbe-Beilage in "Gabriele - Die perfekte Sekretärin" (1963)

 

             

"Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat das Hauskleid für die Hausfrau. Es ist ihre Berufskleidung und die Machart muss volle Bewegungsfreiheit garantieren. Eine wichtige Ergänzug sind Schürzen, (Werbung oben: Progress 1952)

 

...die in immer neuen Formen herausgebracht werden. Ein buntes Kopftuch sollte zur Ergänzung bereit sein. - Es ist also gar nicht so schwer, auch bei gröberer Hausarbeit immer nett auszusehen." 

(zitiert aus einem Ratgeber-Buch der 50er Jahre / Werbung oben: Henkel 1953)

 

                
"Hübsch im Haus", Zeitschriftenartikel (1956)
  "SCHÜRZEN schön und praktisch", Versandhauskatalogfoto (1959)

 

                                       
   

perlon Kasack - "Ein willkommenes Geschenk zum Muttertag!" (1964)

   

 


 

"Eine angenehme Unterbrechung

beim immer wiederkehrenden Hausputz ist offensichtlich der Telefonschwatz mit "ihm" oder der Freundin. Obwohl viele technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen, gilt der Haushalt immer noch als größter Arbeitsplatz der Welt. Die Männer wollen bitte zugeben: der gefürchtete "Putzteufel" alter Prägung ist kaum noch zu finden. Auch beim Großreinemachen verwandelt sich die moderne Hausfrau nicht in eine besenschwingende Megäre, sondern versucht, Charme zu bewahren!" (Kalenderblatt, 1963) 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Hübsch für's Haus...

ein Immerschlank Modell". Die im Inneren des Prospekts zu findende Händlerinformation "Unsere Bitte: Disponieren Sie früh! Ostern fällt 1964 auf den 29. und 30. März" legt die Schlussfolgerung nahe, dass solche "Kittel, Kasacks und Schürzen" seinerzeit offensichtlich ein beliebtes Ostergeschenk darstellten...

 

 


 

           

Die weiter oben zitierte "gröbere Hausarbeit" gibt es im Verlauf der 50er Jahre immer weniger. (Werbebroschüre Rowenta 1954)

 

Zunehmend erleichtern elektrische Helferlein der Hausfrau die Arbeit (1964),

 

                     

die sie deshalb nun - zumindest nach Vorstellung der zeitgenössischen Werbung -

 

auch in schickerem Outfit erledigen kann.

  

                  

"Bügeln oder nicht? Zur Freude der Hausfrau und aller männlichen und weiblichen Junggesellen: Wirk- und Stricksachen ausschließlich aus PERLON und PERLON-gemischten Garnen wie Unterwäsche, Pullover und ähnliches braucht man nicht zu bügeln!" - aus einer PERLON-Informationsschrift (ca.1956)

  "Bügeln - ganz bequem", aus einem Kaufhausprospekt (1959)

 

                                                  
         

 

Derart kommt bei beiden Ehepartnern Freude auf, denn schließlich ist die Zufriedenheit des Gatten der allerschönste Lohn: "Du verwöhnst deine ganze Familie!" (1957)


 

                          

"Heute klappt es wie am Schnürchen" (Werbung Hengstenberg, Ausschnitt, 1960)

 

"Eingestellt auf sein Leibgericht" (Werbung Junghans, 1962)

 

                 

"Karl ist pünktlich wie die Uhr, von Karline keine Spur, und es schwant ihm das Malör, seine Frau sitzt beim Frisör, wo man ihren Kopf verschönt, während er vor Hunger stöhnt."

 

"MAGGI-FRIDOLIN weiß Rat: Kalbfleischsuppe! Delikat! Und im Nu - im Handumdrehen speist man, als wär nichts geschehen." (Werbung Maggi, 1953)

 

"Wenn er jetzt pünktlich kommt, bin ich aufgeschmissen! - Bei seinem Appetit kann ich ihn höchstens 5 Minuten hinhalten. - Essen gehen am 29.? Unmöglich! - Gerettet! Hab' ja HERTA Glacè gekauft." - (Werbung Herta, Ausschnitt, 1968)

 

aus einem Möbelkatalog von 1962

 

Auch noch im Zeitalter der Sexuellen Revolution ist ER der Größte - einfach zum Niederknien - "Dein Mann das unbekannte Wesen", Filmplakat (1970)

 

                       

(K)ein Witz im Jahre 1960

 


 

"Was Männern so gut schmeckt"(1954)

 

    
Zeitgenössisches Kochbuch von Ludwig Schmidseder mit dem Titel "Ich nehme - für alle, die gern gut essen". - Warum dieses Buch auf der "Frauenbild"-Seite zu sehen ist? Wegen einer handschriftlichen Widmung auf dem Vorsatzpapier: "Zum Muttertag 1959 vom Vati"...           

"Das Leben hat recht: Frohes Gemüt und gepflegtes Äußere bringen Zufriedenheit und Glück." - Hierbei handelt es sich nicht etwa um einen ironischen Kommentar, sondern vielmehr um den Originaltext einer Zeitschriftenwerbung für einen "Haarextrakt" aus dem Jahr 1957!

 


                   

"Das hätte Vati nicht gedacht, dass Mutti jetzt auch am Waschtag so gut gelaunt ist. Der Rondomat nimmt Mutti alle Wäschesorgen ab." (1961)

 

Wenn "Mutti" dann auch noch das richtige Waschhmittel benutzt, ist alles perfekt: "Großartig! - Ja, das ist SUWA-WEISS!" (1953)

 

           

Bewunderung von allen Seiten: "...das ist die Frau, die weißer wäscht" (1966)

 

Und für Persil mit gleich zwei "Weißmachern" geht frau sogar auf die Straße" (1966)

 

                           


 

"Ja, meine Kunstfasergardinen, die bleiben jetzt hell und frisch, die vergrauen nicht mehr." (1966)

 

"Omo - ein aktuelles Vollwaschmittel für die Frau von heute" - "Mehr Zeit für das moderne Leben! Beschwingt und lebensfroh - das ist die Frau von heute. Das sind Sie selbst! Ihr Haushalt? Fabelhaft in Schwung! Ihre Wäsche? Ein Gedicht - denn OMO wäscht phantastisch für Sie!"  - "OMO mit dem modernen Schaum" (1960)

 

                        

Liebesgeflüster...SIE: "Für Dich wasch' ich perfekt!" -

 

ER: "Das sieht man Deiner ganzen Wäsche an!" - SIE: "Ja, und darauf bin ich stolz." (1958)

  

Der Elektrohaushalt - "Kniffe und Pfiffe beim Bügeln" (1951)

 

 

"Da staunt der Ehemann!"

"Heinzelmännchen in der Wohnung? Gewiß! Die moderne Hausfrau steht heute mit den Heinzelmännchen auf gutem Fuß: Sie kennt die Mittel, durch die man mit weniger Anstrengung mehr leistet. Für die Wäsche nimmt sie nur das neue Wipp-perfekt. Da geht das Waschen leichter von der Hand. Alle Wäsche wird so herrlich sauber und duftig frisch, wie man es sich nur wünschen kann. Und frisch und munter erscheint die Hausfrau dem staunenden Ehemann, der es gar nicht fassen kann, daß sie nach so viel Arbeit noch so vergnügt ist." - Zeitschriftenwerbung (1960)

 

 


              

"Ölheizung schenkt Ihnen Zeit für Ihre Kinder" - "Früher musste Mutti mehrmals täglich in den Keller. Heute ersetzt ein Fingertip am Themostat alle Mühe. Mutti kann sich viel mehr den Kindern widmen." (1958)

 

...oder gänzlich dem Nichtstun fröhnen, denn "drinnen walten Elektrogeräte". (1956)


 

                            

 

"Gut haushalten" (1954)

 

  Und wenn Sie gewissenhaft ihr "Haushaltsbuch" führt und sparsam mit dem Wirtschaftsgeld umgeht...

 

reicht's sogar noch für die Verwirklichung eigener kleiner Wünsche. ("Die kluge Hausfrau" - "Kundenzeitschrift des EDEKA Kaufmanns", jeweils 1962)

 


                   

FÜR Sie (1960)

  "Hausfrau - schönster Beruf" (FÜR Sie, 1961)

 


                     

DAS Ziel: Eine glückliche Familie (Das Haus, 1956)   Familien-Kalender des Blauen Kreuzes e.V., 1957
 

Tchibo Magazin, 1961


 

                      

Ab Juni 1957 waren Frauen und Männer gleichberechtigt -
  zumindest auf dem Papier...

 

 

"Nein, von der echten Gleichberechtigung trennt uns noch viel.

Es sieht oft so aus, als würden die Männer mit der Miene eines trotzigen Kindes sagen: "Ihr wolltet die Gleichberechtigung, da habt ihr sie", und den Frauen dann sämtliche daraus resultierenden Pflichten aufhalsen, über die Rechte allerdings stillschweigend hinwegsehen. Und indirekt werden sie vom Staat in dieser Haltung bestätigt, denn die die Gleichberechtigung betreffende Gesetzgebung ist über den Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt", der im Grundgesetzt steht, noch nicht hinausgekommen." (...) Die Frau hat "um ihre Gleichberechtigung nicht gekämpft", sondern wurde "zwangsläufig dazu getrieben. Zunächst durch die Auswirkungen des Krieges, und weiter durch die soziale Umschichtung, die diese Auswirkungen im Gefolge hatten. Millionen von Männern fehlen in der Familie und am Arbeitsplatz. Unzählige Frauen wurden einfach gezwungen - sehr oft gegen ihre natürliche Veranlagung - aus ihrer früheren Geborgenheit herauszutreten und die der Frau gemäße Sorge um das Familienleben zurückzustellen zugunsten eines oft aufreibenden Broterwerbes." (...) "Die Gleichberechtigung soll es der Frau ja nur ein bißchen leichter machen. Um sie glücklicher zu machen, ist sie ohnehin nicht geeignet. Denn um glücklich zu sein, muß der Mensch seinem natürlichen Rhythmus folgen können. Und das bedeutet für die wirkliche Frau noch immer: In erster Linie Gattin und Mutter zu sein." - aus: "Libelle für die Frau" (Januar 1957)

 

 


                                 
"Wir wollen heiraten!" (Brigitte, 1958)
 

"Wir wollen heiraten" (Brigitte-Spezialheft, 1958)

 

"Ich liebe und heirate" - Ratgeber für "gesundes Liebes- und Eheleben" (1953)

 

                    

Privatfoto

 

"Für den schönsten Tag das schönste Kleid. Dieser Traum in Weiß ist ein bezauberndes Brautkleid, bei dem auch daran gedacht ist, daß es später als Abendkleid getragen werden kann." Neckermann (1955)

 


 

                    
     

Dass offenbar einige Bereiche - so zum Beispiel der Haushalt - von vornherein von der Gleichberechtigung ausgeschlossen zu sein scheinen, wird bereits den Allerjüngsten vermittelt: Auf den zumeist hübsch illustrierten Schachteln von hauswirtschaftlichem Spielzeug sind (nicht nur) in den Nachkriegsjahrzehnten fast ausnahmslos Mädchen zu entdecken...

 


 

 

 

"Das Verlangen der Frau

 ...sich in einer Ehe gesichert zu sehen, entspricht (...) dem fraulichen Wesen. Es hängt damit zusammen, daß ihr erotischer Wert früher und dann mehr sinkt als bei einem alternden Manne. Sie muß aber nach Sicherheit vor allem als potentielle Mutter für ihre Kinder streben." aus: "Liebe, Lust u. Laster" (1958)

 


 

                

               

 Werbung North State-Zigaretten, 1952

 

Werbung Blaupunkt, 1956

 

 Werbung Fa, 1963

Natürlich kennt die zeitgenössische Werbung auch selbstbewusste und sichtlich erfolgreiche Frauen. Schließlich ist diese Gruppe viel zu groß (und zu kaufkräftig), um nicht berücksichtigt zu werden. Auffällig aber, dass alle diese Frauen zwar umschwärmt werden, letzlich aber offensichtlich "den Richtigen" noch nicht gefunden haben. - Übrigens: Bei der Pelzmantelträgerin in der unten stehenden Opel-Werbung könnte es sich natürlich auch um eine gut verheirate Generaldirektorgattin handeln...

 

             

Opel-Werbung, 1961

 

"Hänsel-Echo", 1961

 

                               

 Werbung Borgward, 1957

 

Werbung Kult, 1963

 

Werbung Poly Color, 1957


 

Zungenkuss...

 

"Was versteht man eigentlich unter einem Zungenkuss, wie er beim Liebesvorspiel geübt wird?

Bei der Betrachtung ist es wichtig, dass auch hier der Mann zunächst den aktiven Pol bildet. Die Frau öffnet also leicht die Lippen und der Mann führt nun seine Zunge in deren Mundhöhle ein. Dort berührt er vor allem die Zungenspitze seiner Frau, aber auch die übrigen Partien der Mundhöhle. Er erreicht so einen starken Anreiz bei ihr, der vorzüglich geeignet ist, das Liebesvorspiel in das Liebesspiel überzuleiten. Der Zungenkuss stellt aufgrund seiner starken Reizwirkung auch gleichzeitig ein gewisses Barometer für die Willigkeit einer Frau zum Verkehr dar. Wenn sie nämlich stark auf ihn reagiert, dann weiß der Mann, dass er sich seiner Frau in Liebe nähern darf, ohne dass darüber Worte verloren werden müssten." (Aufklärung Anno 1951: "Das Intimste der Liebe und Erotik", von Dr. Rolf Rother)

 


 

                    

Neckermann - "Illustriertes Angebot" (Katalog, 1956)

 

"Mutti hat keine Zeit" (Jugendbuch, 1955)

 

Privatfoto, um 1956

 


 

 

"Wie gern hätt' ich ein Mußestündchen,

so ganz für mich allein!

Innigster Wunsch so vieler angestrengt arbeitender Frauen, zwar bisher unerreicht, doch sicherlich erfüllbar. - Denken Sie an die viele Zeit, die Sie unnütz verlaufen, zur Arbeit, zum Einkauf, mit den Buben zur Schule oder zum Friseur. Verkürzen Sie Ihre Wege! Mit einer BELLA schmelzen sie auf wenige Minuten zusammen. Sie verhilft Ihnen zu einem erholsamen Stündchen am Abend oder gar zu einem Wochenende seitab des Trubels." (1956)

 


 

 Trinken Frauen mehr Alkohol als Männer?

 Originale Werbung aus dem Jahr 1960. Da es den Hersteller immer noch gibt und ich davon ausgehe, dass er mit seinem damaligen Produkt - und vor allem mit der Werbung - nicht mehr in Verbindung gebracht werden möchte, habe ich die entsprechenden Namen unkenntlich gemacht:

"Eine amerikanische Statistik spricht davon, dass in den USA die Frauen mehr Alkohol verkonsumieren als die Männer. Woran mag das liegen? Nun, Alkohol stärkt, und in Amerika sind die Frauen - genau wie bei uns - auch überlastet und erschöpft. Aber ein Gläschen *** -Likör (35 Vol.%) aus dem Hause *** wirkt da Wunder. Denn *** macht Müde munter, regt an ohne zu berauschen und wärmt auf...Also, bevor der Gatte nach Hause kommt, schnell ein Gläschen *** - dann wird der Abend nochmal so schön!" Auch  "im Büro - eine willkommene Stärkung!" 

 

 

 

 

 

 

Und wenn "ein Gläschen" nicht genügt, den Gatten zu ertragen, darf es auch schon mal ein bißchen mehr sein...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...denn "auch die Damen wissen einen reinen, edlen Weinbrand zu schätzen."  (1961)

 

"VAT 69", um 1962

 

                

 "Wieviel schöner ist das Leben, wenn wir einen Hammer heben!" (1958)

 

Auch Rauchen hebt die Stimmung - und das sogar beim Hausputz: "rauche - staune - gute Laune".


 

 

 

 

"Sind Sie die ideale Frau?

Packen Sie rechtzeitig alle Aufgaben an, welche Ehe, Beruf, Hausarbeit und Geselligkeit an Sie stellen? - Haben Sie den inneren Schwung, um Frohsinn und Lebensfreude auszustrahlen? - Oder machen Sie IHM etwa das Leben schwer? Liebe Freundin, verzagen Sie nicht, wenn Sie oft körperlich bedingten Stimmungen unterworfen sind, die Ihre Tatkraft lähmen, oder wenn Sie sich bedrückt oder gereizt fühlen. Wählen Sie Frauengold zu Ihrem treuen Begleiter! Es beflügelt Ihren Unternehmungsgeist und schenkt Ihnen jene ausgeglichene Heiterkeit, die von innen heraus verschönt, eine Welle von Sympathie und Wärme auf Ihre Umgebung ausstrahlt und Ihnen Bewunderung einträgt." (1958)

 


 

Wie man sieht, ist der "jünger - schlanker - schöner" -Wahn mitnichten eine Erfindung unserer Tage, sondern bereits in den 50er-Jahren weit verbreitet.

                        

Ihre Freundin - "In der Woche 7 Pfund weniger" (1951)

 

Film und Frau, Sonderheft "Jünger - schlanker - schöner" (1958)

  Brigitte - "16 Seiten Diät-Beilage: Jeden Tag 1 Pfund leichter!" (1959)

 

                                   

"Iß Dich jung - Ein Schlankheits Brevier" (1953)

 

1956

 

"Bleiben Sie nicht länger mager!", 1960

 

                   

 "Bleib gesund und lebe glücklich" (1955)

 

Gewichts-Tabelle 1955

 


 

"18 Pfund zugenommen..."

Andere Zeiten, andere Schönheitsideale...aus einer Zeitschriftenanzeige von 1929: "18 Pfund zugenommen und diese 18 Pfund gleichmäßig verteilt auf Gesicht, Arme, Brust, Hüften und Waden. Bedenken Sie, wie Ihre Figur durch diese Gewichtszunahme verschönert wird und um wieviel Sie sich dadurch begehrenswerter machen. Durch die wohlschmeckenden "Eta-Tragol-Bonbons" (...) die nach der Mahlzeit genommen werden, läßt sich d. Körpergewicht in einigen Wochen um 10 bis 30 Pfund erhöhen. Die unschönen Knochenvorsprünge an Wangen und Schultern schwinden. Pfund für Pfund nehmen Sie zu, an allen Körperteilen zeigt sich Fettansatz."

 

 

 

 


 

                         

 "Jung sein...in jedem Lebensalter!"

 

"Endlich frei und froh! Pickel können trennen" (1961)

 

 "So glücklich! Pickelchen spurlos verschwunden." (1958)

 

"Bin ich auch noch sympathisch frisch?" (1960)

 

                   

 "Über Nacht Hawai-braun"

 

"Braun hat mehr Chancen" (1966)

 

        

"Nein, Frau Müller, da hilft nur eines: Vitolan Entfettungszucker" (1957)

 

Der für deutsche Ohren nicht unbedingt mit einer Creme in Zusammenhang gebrachte  Name dieses Produktes wurde übrigens schon nach kurzer Zeit in "Creme Paff" eingedeutscht. (1957)

 

                                     

"Diese süsse kleine Frau pflegt sich wie nicht anders denkbar mit Simi..." (1956)

      "...und plötzlich war ihr Haar reizvoll verwandelt" (1959)

 


 

 

 

                

            Und der Erfolg aller Bemühungen:

"Wenn "ER" nach Hause kommt, empfängt ihn strahlend seine Frau. Von Hausarbeit, von all den kleinen und großen Wegen und Erledigungen merkt man ihr nichts an." (1952)

 


 

             
"Liebe u. Schönheit und wie ein Mann darüber denkt" - Beate Uhse-Werbeheft für die "Mammoform-Kur bei Erschlaffung der Brust"   "Schöne Büste - Ja, aber wie? Das Geheimnis zur Erlangung einer vollendeten Büste" - Ratgeber aus dem Jahr 1957

 

                                     

"Wie entsteht Liebe?" - "Oft genug ist es der Zauber des schönen gepflegten Frauengesichtes, der die Männer auf so geheimnisvolle Weise anzieht - die zauberhafte Wirkung von Mystikum!" (1952)

   "Begehrenswert sein" mit Venus-Schönheitsseife und Venus-Schönheitswasser (Faltblatt, o.J.)
 

"Frauen, die man heiratet...müssen vor allem gepflegt sein. Der Liebreiz eines anziehenden, jugendfrischen Teints hat schon manches Männerherz für immer gewonnen." - ELLOCAR-Vitamin-Creme, Zeitschriftenwerbung (1951)

 

            

IHRE Unterwäsche "formt vollendet" (1956)

 

...und auch der "galante Mann" achtet seiner "Frau zuliebe"  auf das Darunter. Allerdings nicht etwa, um ebenfalls in Form zu kommen, sondern vielmehr, weil die Unterwäsche "vollkommen kochfest!" ist und sich deshalb "leicht waschen" lässt...Galant, galant! (1953)

 

"Der Frau zuliebe" (s.o.) zum Zweiten: "Einsichtsvolle Männer sind stets auf das Wohlbefinden ihrer Faruen bedacht. Sie sorgen deshalb vor, sie schenken FRAUENGOLD - jenes Frauen-Tonikum. das die Frau auf natürliche Weise von innen heraus gesund erhält und ihr zu einem ausgeglichenen Wesen und harmonischer Schönheit verhilft." Werbung für Frauengold (Alkoholgehalt 16,5%) aus dem Jahr 1955. 

 


 

 

 

                 "Die Frau, nach der man sich sehnt..."

"Die Frau, die als guter Kamerad Verständnis hat für den Mann - die auch an den Sorgen und Freuden des Mannes, seinen geschäftlichen Problemen und seinen sportlichen Liebhabereien teihat - Sie ist "Die Frau, nach der man sich sehnt." Solche Frauen wissen auch, was Männern die gute Zigarre bedeutet: Erholung, Anregung und Entspannung zugleich!...Wer häufiger Gäste bewirtet, der sollte also dafür sorgen, dass stets auch gute Zigarren im Hause vorrätig sind. Das ist ein wichtiger Hinweis für die klugen Frauen, die auch erfolgreiche Gastgeberinnen sein wollen." (Zeitschriftenwerbung,1950)

 

 

 

                    

 

                                                    "Hand aufs Herz, meine Herren -

 - Ist diese Szene zur späten Abendstunde nicht erfreulicher, als wenn der Mann, durch Berufspflichten dem Hause ferngehalten, eine einsam wartende Frau daheim vorfindet? Deshalb ist der Fernseher für liebevolle Ehegatten das Geschenk des Jahres..."

 

 

 

 

 

 

 

...und das offenbar in mehrfacher Hinsicht! (1953)

 

 

1955

 


                           

"Die große Freude für jedes Heim" (1962)

 

.1956


 

              

Auf den richtigen Fußboden kommt es an! (1960)

 

Dann macht sich die Hausarbeit wie von selbst und es bleibt genügend Zeit für angenehmere Beschäftigungen. (1960)


 

         

Darüber freut sich die Hausfrau in den 50ern: Küchenmaschine, (Bedienungsanleitung, o.J.)

 

Kochgeschirr (Faltblatt, o.J.)

 

...und viele bunte Reißverschlüsse (Zeitschriftenwerbung, 1959)

 

                        

Und auch im Büro kommt  - dank einer IBM-Schreibmaschine - "die reine Freude" auf...

 

 

 

ebenso wie beim shampoonieren des Wohnzimmersessels.

 

              

"Ein bunter Reigen froher Frauen" (Faltblatt, 1955)

 

"Hoch die Gläser hoch die Tassen - weil die Preise nachgelassen" (Werbung Alsterhaus, 30 x 44cm, um 1954)

 

                            

"Bauknecht weiss, was Frauen wünschen" (1959) und

 

...Miele "macht die Hausfrau glücklich" (um 1960)

 


             

"In Ihrer Hand liegt das Glück der Familie" (kleine Broschüre, o.J.)

 

...eindrucksvoll in Szene gesetzt auch auf dem Titelbild des "Volkskochbuch". (1953)


 

 

"Sie flechten und weben...

So sagt Schiller in einem Gedicht über die "Würde der Frauen": "Sie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben - flechten der Liebe beglückendes Band." Der Alltag allerdings übertönt solche Poesie oft mit nüchterner Arbeit. - Noch heute steht für die Mehrzahl der Frauen überall in der Welt der häusliche Wirkungskreis im Mittelpunkt. Gefährtin des Mannes und Mutter - welche Vielfalt von Tätigkeiten, welche Mühen, Sorgen und Freuden erwachsen der Frau aus diesen naturgegebenen Aufgaben. Durch Frauenhände geht ein Großteil des Volksvermögens. Die geschickte und kluge Haushaltsführung der Frau bestimmt weitgehend das wirtschaftliche Wohlergehen der Familie mit.." (Kalender, 1963)

 


              

Cromargan - "mein Stolz und meine Freude..." (Werbeheft, 1953)

 

...und auch die Nähmaschine entpuppt sich als "Ein großer Schatz" (Faltblatt, 1956)


 

Sicherlich in nicht zu unterschätzendem Maße mitverantwortlich für das zeitgenössische Frauenbild in Männerköpfen: "Männermagazine", damals in der Regel noch dünne "Heftchen" in ungezählten Varianten: Gondel, Paprika, Das Journal Capriccio, Wiener Melange, Schweizer Magazin, Wiener Magazin, Reigen, Venus, Neues Magazin, Kobold, Liebes-Kurier, Gong, Süsse 17, Exquisit, MIX, Hamburg Hollywood Paris, Alphabet der Liebe und wie sie alle hießen...

 

           

Durchaus möglich, dass der Texter dieser Anzeige das in den Männermagazinen propagierte Frauenbild eventuell etwas zu sehr verinnerlicht hat: "Eine temperamentvolle Frau - jugendlich und elegant, ein Spielgefährte wie dieser Setter - springlebendig und mutig, sie gehören zusammen" (Zeitschriftenwerbung,1953).

 

Dass sexistische Reklame keine Erfindung unserer Tage ist, zeigt diese Matratzen-Werbung aus dem Jahr 1958: "Ihr größter Vorzug: vollhygienisch"


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